Rund ums Baby

Super Mama (?) – Wenn Kinder eine Selbstverständlichkeit werden

“Mach dir keine Sorgen, Julia. Du weißt doch schon, wie der Hase läuft.” “Natürlich kannst du nach der zwölf monatigen Elternzeit gleich wieder einsteigen, du weißt ja wie es in der Krippe ist.” “Aber für den Babymassage Kurs meldest du dich nicht an, oder? Das kannst du ja Zuhause machen.”

Solche oder ähnliche Aussagen höre ich seit dem ich verkündet habe, dass wir ein Baby bekommen öfter. Denn irgendwie ist es eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit, wenn man Erzieherin ist und sich noch dazu auf die Altersgruppe von 0 bis 3 Jahren spezialisiert hat, dass man alles weiß.

Wie hält man einen Säugling richtig, wann fängt welcher Schub an und Stillen wird ja dann von Haus aus ein Kinderspiel für mich. Und natürlich tue ich mich in vielen Fragen leichter, als jemand der auch zum ersten Mal Mama wird und keinen pädagogischen Background vorzuweisen hat. Doch trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen ich mir unsicher bin und mich dann lieber doppelt informiere. Nur weil ich staatlich geprüfte Pädagogin bin habe ich nicht die geringste Ahnung, wie viele TOG ein Sommerschlafsack hat.

Denn es gibt diesen einen wesentlichen Unterschied, der für mich alles verändert – es wird mein Kind sein. Ich gehe nicht nach acht Stunden nach Hause und dann Tschüs, bis morgen.

Ich möchte ja fast behaupten, dass die Gesellschaft eine Art Erwartungshaltung entwickelt hat. Die verdient damit ihr Geld, also kann sie das auch. Mein Sohn wird also still am Tisch sitzen und mit perfekten Manieren zu Mittagessen, jedes Mal Bitte und Danke sagen und schon mit 9 Monaten laufen können, denn ich als Fachpersonal fördere ihn ja nach Lehrbuch.  Nur sieht die Realität ganz anders aus – in der Praxis draußen hieß es immer “Eine Sozialpädagogin hat gerade ihr Kind angemeldet” und wir Gruppenleitungen haben in der Mittagspause Schnick – Schnack – Schnuck gespielt, wer das Kind nicht bekommt. Vielleicht weil wir Sorge hatten uns selbst einmal so zu sehen: unseren Sprösslingen vermeintlich pädagogisch wertvolle Konsequenzen beim Schuhe anziehen zu vermitteln, oder die Wertigkeit einer parfümfreien Windel auf dem Elternabend zu erläutern.

Doch trotz alledem – gerade weil ich weiß, wie der Alltag in den Einrichtungen teilweise aussieht, würde ich gerne länger als die zwölf Monate Zuhause bei unserem Sohn bleiben. Und eben gerade weil ich wissen sollte, wie der Hase läuft, mache ich mir noch mehr Sorgen etwas zu übersehen als womöglich andere Mütter.

Mittlerweile schmunzle ich immer über solche Aussagen. Warum?

Denn irgendwie ergeht es uns doch allen so. Mit den lieben Klischees. Für eine Hebamme ist die Geburt genau so schmerzhaft wie für alle anderen Frauen und von Polizistenkindern will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen…

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