Rund ums Baby

Wir sind schwanger – aber sind WIR das wirklich?

Letztens war ich auf der Suche nach einer Online Checkliste für die Ämtergänge, die vor der Geburt noch zu erledigen sind. Geburtsurkunde, Elterngeld, Mutterschutz etc. Da viel mir plötzlich auf, dass ganz klein unten irgendwo auf dieser Seite das Thema Vaterschaft vermerkt war. Ich hätte den Link beinahe übersehen und dann fragte ich mich “ist das mit unseren Männern in der Schwangerschaft allgemein so?”

Deswegen habe ich meinen Freund Manuel, der wirklich tapfer das ganze Hormon Chaos mit mir durchsteht, interviewt um die männliche Sichtweise auf eine Schwangerschaft darzustellen und mir vielleicht sogar selbst die Augen zu öffnen.

1. Was waren deine Gedanken nach dem positiven Testergebnis?

Zu allererst habe ich mich unglaublich gefreut. Unser Kind ist ja ein Wunschkind und natürlich fiebert man auf diesen Moment hin. Das richtige realisieren, was da gerade genau passiert ist und was das nun für uns beziehungsweise mich bedeutet, dass dauert etwas. Aber im Großen und Ganzen empfindet man nur tiefe Freude.

2. Welche Gedanken hattest du als wir erfahren haben, dass wir einen Sohn bekommen? Hattest du bestimmte Ängste, Hoffnungen oder Erwartungen?

Ich hatte von vornherein kein bevorzugtes Geschlecht, da es mein Kind sein würde, egal ob nun Junge oder Mädchen. Für meine Bindung zum Baby war das vollkommen unbedeutend. Und was dann später mal kommt, wie als Mädchenpapa musst du mehr der “Beschützertyp” sein und bei einem Jungen gehst du eher in die Beraterrolle, dass ist noch so weit weg, dass es mich jetzt in keinster Weise beeinflusst hätte.

3. Als du das erste Mal unser Kind gespürt hast, was war das für ein Gefühl für dich?

Zum einen natürlich ein großes Glücksgefühl, denn durch die spürbaren Bewegungen in deinem Bauch bekommt man einen Vorstellung von seinem Kind. Es wird viel realer, wenn man begreift, dass das was da einen anstupst wirklich dein Kind ist. Aber es kommen dann auch große Ängste in einem hoch, denn mit jedem Moment Glück kommt als Pendant ein Gefühl von Angst. Je greifbarer das Baby wird, desto näher rücken auch die Sorgen.

4. Welche Sorgen waren das für dich konkret?

Zum einen natürlich die große Verantwortung die man hat. Ob man es überhaupt schaffen kann, dem gerecht zu werden. Denn jede Entscheidung die du triffst beeinflusst das Leben des Kindes, dass sich zu tausend Prozent auf dich verlassen muss. Du bist nicht mehr einfach nur für dich selbst verantwortlich oder deinen Partner, der ja aber auch erwachsen ist und für sich selbst die besten Entscheidungen trifft. Das ist ein großer Teil dessen was mich beschäftigt, wenn ich an die Vaterrolle denke, die da auf mich zukommt. Abgesehen davon, fragt man sich ja auch, was für eine Art Papa man sein will. Wie will ich mein Kind erziehen, tue ich dann das Richtige und so weiter. Auch wenn es keine Patentlösung gibt (kurze Zwischennotiz von mir als Pädagogin: das kann ich nur bestätigen) will man natürlich immer nur das Beste. Und dann kommt man schon ins Grübeln, ob man das alles so bieten kann.

5. Welche Veränderungen hatte deiner Ansicht nach die Schwangerschaft auf unsere Partnerschaft?

Also so direkt finde ich nicht, dass unsere Beziehung anders geworden ist. Klar, du planst alles ganz anders, weil sich dein Augenmerk für die Zukunft komplett verlagert. Du entscheidest dann vieles im Sinne des Kindes und deine Sichtweise auf viele Dinge verändert sich eben komplett. Auf der anderen Seite hast du aber auch eine Art “gemeinsamen Nenner” mehr, denn du bereitest dich zusammen auf das Baby vor und als Paar reifst du und wäscht mit der Aufgabe, Eltern zu werden und schließlich auch zu sein.

6. Hast du dich manchmal außen vor gefühlt?

Ja, aber ich habe das nicht als schlimm empfunden. Es ist einfach ein natürlicher Vorgang, dass eine Mutter eine noch stärkere Bindung zu ihrem Kind aufbaut als der Vater. Und das ist gut so, denn es ist vollkommen natürlich, dass Mann dann nicht mehr der wichtigste Teil im Leben der Frau ist. Ohne Zweifel liebe ich unseren Sohn jetzt schon über alle Maßen, doch ich würde nie eine Entscheidung zwischen euch beiden fällen wollen. Bei Müttern ist das ein bisschen anders – aber das regelt die Natur mit den Hormonen. Ansonsten hatte ich nie das Gefühl, nicht richtig einbezogen zu werden oder Ähnliches. Wichtige Entscheidungen haben wir immer gemeinsam getroffen und was du dann noch für das Kind kaufst, war für mich eher nebensächlich.

7. Nur noch ein paar Wochen, dann steht die Geburt ins Haus. Was sind deine Gedanken im Hinblick darauf?

Um ehrlich zu sein habe ich das Bild der rasenden Schwangeren vor mir. Wie du mich im Kreißsaal anbrüllst und meine Hand zerquetscht. (Ihr hättet an der Stelle meinen Blick sehen sollen). Ansonsten ist mir nur ein großes Anliegen, dass ich in ersten Momenten unseres Sohnes dabei sein kann. Wenn er zum ersten Mal die Augen aufmacht und atmet, seinen ersten Schrei – das möchte ich unbedingt miterleben.

8. Abschließend noch – was kannst du anderen Männern mitgeben?

Haltet auf jeden Fall den Nestbautrieb eurer Frauen im Zaum. Hormone hin oder her – aber wenn ich das eine oder andere Mal nicht mein Mitsprache-Veto-Recht genutzt hätte, säßen wir jetzt in einem Wohnzimmer mit altrosa Kissen auf der Couch die null zum Rest der Einrichtung passen. Oder hätten noch schnell die ganze Bude umgebaut.

Und immer wenn eure Frau sagt “oh schau wie süß das ist” haltet sie einfach davon ab es zu kaufen. Den Großteil des Shoppings soll, darf und muss man(n) ihnen gönnen, aber traut euch auch ab und zu mal Nein! zu sagen.

Zum Schluss noch ein Tipp von mir – wenn sie plötzlich und ohne ersichtlichen Grund zu weinen anfangen, stellt eure Frauen nicht in Frage sondern nehmt sie in den Arm und reicht ihnen ein Taschentuch. Meistens wissen sie selbst nicht, warum sie gerade heulen und auch wenn sie es euch erklären – ihr würdet es nicht verstehen.

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